Donnerstag, 22. Mai 2014

Spargel mag ich

richtig gerne. Schmeckt lecker und ist gesund, weiß ja jeder, geschenkt.
Aber ich mag auch den anderen Spargel, die hohen Säulen mit den mächtigen Rotorblättern. Kann man zwar nicht essen, liefern aber Strom ohne strahlende, lebensgefährliche Abfallprodukte.
Und ganz ehrlich (und aus aktuellem Anlaß): Es ist mir wirklich und wahrhaftig ein absolutes Rätsel, wie man seine Energie in Bürgerinitiativen gegen Windräder stecken kann.
Mein für mich überzeugendstes Argument für Windkraft ist, wie überall auch, der Faktor Mensch. Wenn beim Bau oder bei der Wartung eines Windrades ein Mensch pennt oder eine Firma aus Kostengründen die Arbeitsbelastung so erhöht, dass der Mensch seine Arbeit nicht mehr ordentlich erledigen kann (ich weiß, das kommt hierzulande ja nie vor, aber könnte ja sein, nech?) dann stürzt im Extremfall ein Windrad um. Rotorbruch, was weiß ich. Dabei könnte es Familie Reh oder Eichhorn erwischen und möglicherweise auch mich, weil ich grad unter dem Windrad spazieren gehe. Shit happens.
Aber wenn im Atomkraftwerk der Faktor Mensch versagt, weil einer pennt oder weil die Firma aus Kostengründen die Arbeitsbelastung so erhöht, dass der Mensch seine Arbeit nicht mehr ordentlich erledigen kann (ich weiß, das kommt hierzulande ja nie vor, aber könnte ja sein, nech?) dann verseucht (und letzten Endes tötet) ein einziges Atomkraftwerk werweißwieviele Menschen. Shit happens?
Jaja, ich weiß, sehr plakativ, meine Rede. Zudem ist mir die Unterschlagung der anderen Energiegewinnungsarten durchaus bewusst, aber mit meinem recht einfach gestrickten Hirn bin ich nicht in der Lage, einen ganzen Artikel mit den Fürs und Widers der einzelnen Thesen zu füllen, und diese auch noch durchzudeklinieren. Bin ja kein Ingenieur, nur Anwohner.
Das ist übrigens der aktuelle Anlaß: Gestern nacht wurde das erste riesige Bauteil für den benachbarten Windpark aus sieben Windrädern geliefert. Mist, das hätte ich mir gerne angeschaut, wie der riesige Truck durchs kurvige Weiltal zirkelt. An einer Fußgängerbrücke gehts um Zentimeter! Ich schweife ab.
Unterwegs hatte sich dekorativ auch die örtliche Bürgerinitiative aufgestellt um mit den Plakaten zu winken und den Truck kurz (allerdings nur fürs Fotoshooting) aufzuhalten. In Ordnung, sollen sie machen. Geschenkt.
Allerdings hat mir ein Zitat dann doch kurz den Atem verschlagen:
"Wir haben gar nichts gegen Windkraft. Aber nicht im Wald, nicht im Naturpark Taunus!“
Ach, SO ist das.
Heiliger Sankt Florian, verschon mein Haus, zünd andre an.
Die machens sich ja einfach.

Mich interessiert wirklich sehr, wo die Herrschaften ihren Strom beziehen.
Unsrer ist grün. Also jedenfalls grün angemalt. Derselbe wie überall in den Steckdosen, aber wenigstens bezahlen wir mehr, damit wir ihn grün nennen dürfen.
Ich überlege, so ein kleines Windrad aufs Dach... So wie das hier immer weht, könnte sich das doch rechnen?

Wieso ich Windräder mag? Na, weil ich total gerne im Norden Urlaub mache, wo die Windräder völlig normal sind. Krank, aber: Wenn ich Windräder sehe, kriege ich Urlaubsgefühle. Ich sehe eine goldene Zukunft- Urlaub jeden Tag!
Der Kleine konnte noch nicht richtig sprechen, aber "Dug, mama, Jindjädchen! Jindjädchen, da!! konnte er schon mit zwei rufen.
Noch zwei Monate bis zum Urlaub, gnagnagna.


Kommentare:

  1. Hallo Doro,
    in unserer Siedlung gab es vor einigen Jahren eine Unterschriftenaktion, als im Gespräch war, ein ehemaliges Kinderheim in eine Schule mit Sportstätte umzuwandeln, um eben diese Sportstätte zu verhindern - es würde zu laut, wenn nach 22:00 Uhr die Autotüren knallen und die Leute womöglich noch an ihren Autos stehend miteinander quatschen würden!
    Nee, nee, hab ich nicht unterschrieben. Die ganze Familie nutzt Sportanlagen, wir Eltern auch schon früher als Kinder, und die können nicht immer nur bei anderen in der Nachbarschaft stehen. Nutzen wollen sie die alle, aber bitte die Nachteile bei anderen lassen. Da waren welche echt sauer auf mich, der Riss ist geblieben. Leute gibt`s.
    liebe Grüße von Petra

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    1. Guck mal hier: https://www.youtube.com/watch?v=OC-HY2h5-_c
      Ein beklemmendes Video von dem Areal.
      Aber, um Gotteswillen, ich bitte dich: Sport! Das macht doch Krach! Am besten reißt man alles ab (aber leise bitte), legt einen englischen Rasen an und baut eine Mauer drumrum, damit keiner draufkann.
      Dann sind sie vielleicht zufrieden.

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  2. Ich mag Windräder auch. Aus denselben Gründen, wie du. Und weißt du, was? Ich darf morgen schon ganz viele sehen. Und übermorgen auch.

    Du hast recht, mit allem was du da schreibst, über Windkraft und den Florian.
    Sei lieb gegrüßt. Ich denk an dich, wenn ich die Windspargel treff.
    Paula, im Urlaubspackwahn

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  3. Jaja, wie schön, dass gerade auch noch Wahlkampf ist...
    Liebe Grüße,
    Kathrin
    PS: Ich habe gerade 1400 g (minus 6 Stangen für die Brut) leckeren Bio-Spargel verputzt. Ich hab jetzt SpargelKoma

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    1. Hallo? 1400 Gramm Spargel essen wir hier mit drei Erwachsenen! Du wirst mir unheimlich...

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  4. Liebe Doro,
    das kann ich auch nicht verstehen, hab gerade am Mittwoch Bilder gemacht, wo in unserer Nachbarschaft noch 12 aufgebaut werden, neben den 8 die schon stehen,
    hier meckert keiner, ist mir auf jeden Fall nichts bekannt.
    Könnte vielleicht auch mit dem Florian zu tun haben, ist ja doch ein paar km von uns entfernt.
    Spargel mögen wir auch sehr, aber uns reichen zu viert 3 Pfund, weil 2 nur die leckere Soße essen.
    Liebe Grüße
    Nähoma

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  5. Liebe Doro,

    ich hab gerade erst dein Blog entdeckt und muss gleich einen Kommentar schreiben (allerdings leider anonym, da ich keinen eigenen Blog habe; nicht, weil ich nicht zu meiner Meinung stehe).
    Das Problem mit den Windrändern im Wald hat damit zu tun, dass durch die Räder viele, viele Tiere sterben. Vor allem Fledermäuse und Vögel. Es gibt sehr viele Studien dazu, dass an einem Windrad während eines Sommers etwa 50 Fledermäuse sterben. Das sind mehrere Kolonien. Und es werden auch immer wieder, also wirklich häufig, tote Vögel unter Windrädern gefunden. Hier vor allem Bussarde, Milane, etc. Die Tiere werden entweder direkt von den Rotorblättern erschlägen; bei Fledermäusen führten die Unterschiede im Luftdruck meist dazu, dass die Lungen platzen.
    Und das ist eben häuptsächlich bei Windrädern der Fall, die im Wald oder neben einem Wald stehen. Weil vor allem Fledermäuse im Sommer im Wald wohnen (und jagen) oder diese Gebiete als Leitlinien während der Wanderungen vom Sommerhabitat ins bzw. aus dem Winterquartier.
    Bei Rädern, die einfach auf freiem Feld stehen, ist das nicht so problematisch.

    So, das war jetzt ein langer Text und du bis hoffentlich nicht böse.
    Aber machmal ist es eben mehr als "baut die woanders, aber bitte nicht vor meinem Fenster".

    Liebe Grüße,
    Daniela

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Senf dazu? Aber gerne.